Alles rund ums Thema Ernährung für Krebspatienten

Nebenwirkungen einer Krebstherapie
– was kann ich tun?

Viele Patienten wissen nicht, welche Nahrung ihnen bekommt und welche nicht. Es können gute, aber auch schlechte Erfahrungen gemacht werden. Eine qualifizierte Ernährungsberatung kann den Betroffenen helfen, unerwünschte Erfahrungen zu vermeiden.

Übelkeit

Die häufigsten Ursachen für Übelkeit und Erbrechen sind die Folgen einer Chemo- und Strahlentherapie im Magen-Darmtrakt, insbesondere in Dünndarm und Magen, der Leber oder dem Gehirn. Die Wahrscheinlichkeit von Übelkeit und Erbrechen nimmt mit der Strahlungsdosis und der Größe des bestrahlten Bereiches zu. Übelkeit und Erbrechen infolge der Strahlentherapie treten normalerweise zwischen einer halben und mehreren Stunden nach der Behandlung auf. Die Symptome verbessern sich oft an den Tagen, an denen der Patient nicht mit Strahlentherapie behandelt wird.

Kau- und Schluckstörungen

Chemotherapie und Strahlentherapie können zu Kau- und Schluckbeschwerden führen. Ebenso eine Krebserkrankung im Mund-Hals-Bereich. Viele Patienten verzichten deshalb trotz Hunger und Appetit auf das Essen und die Gefahr einer Mangelernährung ist erhöht.

Was kann ich tun?

  • Bevorzugen Sie weiche, dickflüssige und pürierte Kost: Milchreis, Kartoffelpüree, Pudding, gekochtes und zerkleinertes Fleisch, Fisch, Kompott
  • Verzichten Sie auf trockene, krümelige und bröslige Nahrungsmittel: Salzstangen, Cornflakes, Kräcker, Zwieback
  • Pulverförmige, geschmacksneutrale Dickungsmittel in Getränke einrühren und Suppen etwas binden
  • Lebensmittel mit Öl, Sahne, Mayonnaise, Cremes oder Butter anreichern – dann lassen sich bestimmte Nahrungsmittel besser schlucken
  • Vermeiden Sie kohlensäurehaltige und säurehaltige Getränke
  • Bildet sich Schleim beim Verzehr von Milchprodukten, sind Sauermilchprodukte, Kefir und Sojadrinks geeigneter
  • Nehmen Sie sich für die Nahrungsaufnahme ausreichend Zeit
  • Trinknahrung kann zusätzlich helfen

Mundtrockenheit

Eine Strahlenbehandlung im Kopfbereich kann dazu führen, dass die Speichelproduktion vermindert wird.

Was kann ich tun?

  • Kleine Mengen an Wasser, Tee und Saft sollten die Mundtrockenheit vermindern
  • Lippen mit Schwamm oder Lappen immer feucht halten
  • Hilfreich ist zusätzlicher künstlicher Speichel, der in der Apotheke zu erhalten ist
  • Pfefferminztee, schwarzer Tee und Kaffee fördern die Mundtrockenheit. Trinken Sie Kamille, Ringelblume- oder Thymiantee
  • Bildet sich Schleim beim Verzehr von Milchprodukten, sind Sauermilchprodukte, Kefir und Sojadrinks geeigneter
  • Nehmen Sie viele kleine Mahlzeiten ein und nehmen Sie sich ausreichend Zeit zum Essen
  • Kauen Sie Kaugummi

Entzündungen im Mundbereich

Entzündungen im Mundbereich nach einer Chemo- oder Strahlentherapie können schmerzhafte Konsequenzen haben. Folglich kann trotz Hunger oder Appetit eine Mangelernährung auftreten, da auf eine Nahrungsaufnahme verzichtet wird. Eine Mundschleimhautentzündung (Mukositis) kann beispielsweise nach einer zytostatischen Tumorbehandlung auftreten. Um den Tumor zu bekämpfen, werden Medikamente eingesetzt, die wachstumshemmend auf die Krebszellen einwirken. Die Medikamente wirken aber auch auf gesundes Gewebe, wie zum Beispiel die Schleimhaut, das Knochenmark oder auch Zellen, die für das Haarwachstum verantwortlich sind. Bei Patienten unter Chemotherapie heilt eine Mukositis normalerweise in 2 bis 4 Wochen wenn keine Infektion vorliegt. Eine durch Strahlentherapie verursachte Mukositis erstreckt sich normalerweise über 6 bis 8 Wochen, je nach Dauer der Behandlung.

Was kann ich tun?

  • Meiden Sie säurehaltige Produkte, Ananas, Orange Mandarinen, Zitronen, Grapefruits, Johannisbeeren, Himbeeren, Kirschen, Rhabarber, Tomaten, Früchtetees, Fruchtsäfte, scharfe Gewürze oder stark Gesalzenes. Essen Sie lieber milde Lebensmittel wie Avocado und Birne
  • Bevorzugen Sie dickflüssige Speisen und meiden sie krümelige Nahrungsmittel
  • Bevorzugen Sie weiche oder flüssige Nahrung, auch mild gewürzte Babynahrung kann verzehrt werden
  • Bildet sich Schleim bei der Einnahme von Milchprodukten, sind Sauermilchprodukte, Kefir und Sojadrinks geeigneter

Sodbrennen

Viele Krebspatienten leiden unter einem Reflux. Bei einem Reflux fließt der Mageninhalt in die Speiseröhre zurück und Sodbrennen entsteht.

Was kann ich tun?

  • Kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt essen
  • Lassen Sie sich ausreichend Zeit für die Nahrungsaufnahme
  • Kohlensäurehaltige Getränke, Kaffee, Alkohol, schwarzer Tee und Schokolade leiten häufig Sodbrennen ein
  • Vermeiden Sie fette, stark gezuckerte, sehr scharfe oder saure Lebensmittel
  • Nüssen oder Mandeln können gut zerkaut das Sodbrennen vermindern
  • Mindestens 2 Stunden vor dem zu Bett gehen, sollte keine Nahrungsaufnahme mehr stattfinden
  • Schlafen Sie in leicht aufgerichteter Position

Durchfall

Durchfall als Nebenwirkung von Chemo- oder Strahlentherapien kann häufiger auftreten. Hält diese Beschwerde nur 1-2 Tage an, so ist es ausreichend wenn Sie 2-3 Liter Wasser am Tag trinken. Bei länger anhaltenden Beschwerden sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Was kann ich tun?

  • Trinken Sie mindestens 2-3 Liter pro Tag um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Besonders gut verträglich ist warmes Wasser, grüner und schwarzer Tee oder Gemüsebrühe
  • Eine stuhlverfestigende Wirkung haben Heidelbeeren, Blaubeeren, Indischer Flohsamen, Kakao, schwarzer Tee, grüner Tee, Zartbitterschokolade
  • Meiden Sie Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe, da diese eine abführende Wirkung haben
  • Meiden Sie Produkte denen Milch/Milchpulver zugesetzt ist und greifen Sie zu kleinen Mengen an Sauermilchprodukten wie Joghurt, Kefir oder Quark. Verwenden Sie nur reinen Joghurt oder probiotischen, da dieser keinen Milchzucker enthält.
  • Nehmen Sie anstatt normaler Milch Sojamilch oder Lactose-freie Milch
  • Empfehlenswert ist auch leichte Vollkost und Pektinkost
  • Pektinreiche Nahrungsmittel wie zum Beispiel Apfel und Banane binden im Darm Wasser. Es können bis zu 5-6 pektinhaltige Mahlzeiten am Tag verzehrt werden. Diese decke aber nicht zwingend den kompletten Nährstoffbedarf ab. Pektin ist auch als Pulver in der Apotheke oder im Reformhaus erhältlich

Verstopfung

Schmerzmittel können eine Verstopfung hervorrufen. Für Patienten stellt sie ein weiteres Problem bei der Nahrungsaufnahme dar.

Was kann ich tun?

  • Trinken Sie mindestens 2 Liter pro Tag
  • Essen Sie ausreichend Ballaststoffe, da diese der Verstopfung entgegenwirken wie Vollkornprodukte, Gemüse, Salate, Hülsenfrüchte, ungeschältes Obst und Müsli. Steigern sie langsam die Menge, da sonst die Gefahr von Blähungen und Bauchschmerzen besteht
  • Greifen Sie zu Lebensmittel die milchsauer vergoren sind: Joghurt, Sauerkraut, Sauerkrautsaft
  • Essen Sie spezielle Lebensmittel, die der Verstopfung gut entgegenwirken wie Weizenkleie, Leinsamenschrot, Backpflaumen (über Nacht in Wasser eingelegt), Indischer Flohsamen, Milchzucker
  • Vermeiden Sie Kakao, Zartbitterschokolade, trockene Weizenkleie, Blaubeeren, Banane, Karotten, schwarzen Tee

Geschmacksstörungen

Die Geschmacksstörung (Dysgeusie) ist eine häufige Nebenerscheinung, sowohl der Chemotherapie als auch der Strahlentherapie.

Krebspatienten klagen oft über Veränderungen des Geschmackssinns, wenn sie einer Chemotherapie unterzogen werden, insbesondere ein bitteres oder metallenes Geschmacksgefühl, hauptsächlich bei Fleisch oder anderen Lebensmitteln mit hohem Eiweißgehalt. Es kann eine plötzliche Abneigung gegen bestimmte Lebensmittel auftreten. Eine Strahlentherapie kann dagegen eine Veränderung der Wahrnehmung von süßen, sauren, bitteren und salzigen Geschmackseindrücken hervorrufen. Diese Veränderungen des Geschmackssinnes rühren von Schädigungen der Geschmacksknospen, von Mundtrockenheit, Infektionen und/oder Zahnproblemen her.

Bei den meisten Patienten mit Chemotherapie und auch bei Patienten mit Strahlentherapie, normalisiert sich der Geschmackssinn ein paar Monate nach Beendigung der Therapie und die Geschmacksknospen erholen sich 6 bis 8 Wochen nach Beendigung der Behandlung. Die Veränderung kann jedoch auch von Dauer sein.

Was kann ich tun?

  • Beseitigen Sie unangenehmen Geschmack , indem Sie häufiger kleine Mengen trinken
  • Essen Sie nur Lebensmittel, die Ihnen schmecken
  • Essen Sie weißes Fleisch anstatt rotes Fleisch
  • Legen Sie das Fleisch vor dem Braten oder Kochen in süße Marinaden, in Fruchtsäfte, Wein, milde Salatsaucen oder Sojasauce ein
  • Greifen Sie eher weniger zu süßen Zutaten
  • Spülen Sie den Mund vor dem Essen aus
  • Um den unangenehmen Geschmack zu vertreiben, helfen Bonbons oder Kaugummis. Verzichten Sie dabei auf zuckerfreie Varianten, da diese eine abführende Wirkung haben können

Völlegefühl und Blähungen

Blähungen können bei Krebspatienten als Nebenwirkung von Chemo- oder Strahlentherapie auftreten. Eine geschädigte Darmschleimhaut ist meist die Ursache, da diese zu einer veränderten Zusammensetzung der Darmflora führt. Auch können Krebspatienten nach einer Chemotherapie eine Milchzucker- und/oder Fruchtzuckerunverträglichkeit entwickeln.

Was kann ich tun?

  • Verzichten Sie auf schwer verdauliche Lebensmittel: Hülsenfrüchte, Kraut, Kohl, Frittiertes, fette und scharfe Speisen, ofenfrisches Brot und Gebäck
  • Meiden Sie Getränke, Kaugummis oder Bonbons, die Zuckeraustauschstoffe beinhalten
  • Trinken Sie keine kohlensäurehaltigen Getränke wie Limonade, Bier oder Mineralwasser
  • Meiden Sie Bohnenkaffee und schwarzen Tee
  • Meiden Sie normale Milch und greifen Sie zu laktosefreier Milch oder Soja- und Reismilch
  • Bevorzugen Sie Lebensmittel wie Reis, Nudeln, Kartoffeln, Fisch, mageres Fleisch, reifes Obst, gedünstetes Obst, Mangold, Spargel, Karotten, Zucchini
  • Essen sie schonend zubereitete Lebensmittel
  • Kauen Sie ausreichend und lassen Sie sich Zeit beim Essen

Nervenschäden

Zytostatika können als Nebenwirkung Nervenschädigungen wie zum Beispiel sensorische Ausfälle hervorrufen. Die chemotherapieinduzierte Nervenschädigung ist dosisabhängig und kann sich von Therapie zu Therapie verstärken.

Was kann ich tun?

  • Patienten sollten darauf achten, alle Unebenheiten in der Wohnung zu entfernen und bei der Benutzung der Treppe das Handgeländer zu benutzen
  • Wassertemperatur kontrollieren, damit die Gefahr einer Verbrühung nicht auftreten kann
  • Vorsichtige Nagelpflege, damit Entzündungen und Verletzungen vermieden werden
  • Krankengymnastik
  • Autogenes Training mit gezielter Erarbeitung der Wärmeübung wirkt sich positiv auf das Kälteempfinden in Händen und Füßen aus

Wundheilungsstörungen

Diverse Chemotherapeutika können sich direkt negativ auf das Heilungsvermögen von Wunden auswirken. Ein ebenso häufiger Grund für eine Wundheilungsstörung ist eine Mangelernährung.

Was kann ich tun?

  • Sorgen Sie für eine ausgewogene Ernährung
  • Proteinreiche Kost durch z.B. Fisch, Fleisch, Milchprodukte oder Hülsenfrüchte kann die Wundheilung fördern
  • Vitamin C und Zitrusfrüchte, Nüsse und pflanzliche Öle sowie
  • Zink in Fleisch und Fisch sind der Wundheilung ebenso zuträglich

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